Ein Herz für Tiere der Gnadenhof in Neunkirchen am Sand

Wie Pechvogel „Max“ im Nürnberger Land sein Paradies fand

Behinderter Schwan lebt jetzt auf dem Gelände von Tierschützern mit einem dreibeinigen Hund, einem Gockel und einäugigen Hühner

VON JOHANNA SÄUBERLICH

Wer als Tier auf dem Eichig-Hof den Rest seines Lebens verbringen darf, hat es geschafft, ist raus aus elenden Umständen. Schwan „Max“ ist so ein glückseliger Vogel. Das Tier, das nicht fliegen kann, hat auf dem Hof einer engagierten Tierschützerin im Nürnberger Land eine Heimat gefunden.

NEUNKIRCHEN a. Sand — „Max“ war ein Pechvogel. Jetzt ist er ein Glückskind. Der viereinhalb Monate alte Schwan schafft es damit an diesem Samstag sogar ins Fernsehprogramm, in ein TV-Tiermagazin. Denn „Max“ hat ein Schicksal, das die Herzen berührt. Das graue Federvieh kann nicht fliegen. Es hat Kippflügel, Flügel die wegen einer Wachstumsstörung herunterhängen. Die Behinderung hat schwere Folgen: Seinen Eltern und Geschwistern, die ihren Stammplatz an einem Weiher in Langenzenn (Landkreis Fürth) bereits verlassen haben und ins Winterquartier geflogen sind, konnte „Max“ nicht folgen. Somit wäre er an dem Teich im Winter elendig verhungert.
Doch „Max“ hat Retter gehabt: Auf sein Schicksal wurde eine Familie aufmerksam. Sie vermittelte ihn weiter. Bis er über Umwege auf dem Eichig-Hof in Neunkirchen am Sand landete. Dort hat Michaela Schörg–Oppowa für ihn ein kleines Paradies geschaffen. Jungschwan „Max“ schnattert hier mit anderen Schwänen hinterm Zaun, liegt am liebsten in der Sonne oder gründelt in seichtem Gewässer.
Abends verschwindet er hinter einer Lucke und legt sich im neu gezimmerten Vogelhaus schlafen. Spätestens wenn der Hahn im Garten - der bislang als Verlierer auf einem Bauernhof durchs Leben lief - im Morgengrauen kräht, darf „Max“ wieder ins Freie. Genauso wie die fünf Hennen, die der Vorbesitzer schlachten wollte, weil sie keine Eier produzierten. Auf dem Eichig-Hof legen sie jedoch täglich mindestens ein Ei - der Dank für eine gute Behandlung. Und sogar der Gockel in ihrer Mitte hat zu seiner Rolle als „Big Boss“ zurückgefunden. Auf seinem alten Hof galt er als Schwächling, in der Rangfolge ganz unten. Jetzt hält er stolz seine Damen-Mannschaft zusammen.

Hund Bina von weidebau

Hängender Flügel

Mit seinem Schicksal ist hier eben keiner allein. Artgenossen von „Max“, zwei weiße Gänse, stammen aus einer Zuchtstation. Eine Kanadagans läuft mit hängendem Flügel herum. Ein Jäger hatte das Tier angeschossen, es war in einen Strommasten gestürzt. Doch auch diese Gans darf auf dem Gnadenhof bis zum Ende bleiben. In trauter Gesellschaft: Weil sie nicht allein bleiben sollte, besorgte Michaela Schörg-Oppowa der Graugans einen Partner — einen 20 Jahre alten mit schmerzhafter Arthrose. „Viel wichtiger als menschliche
Zuwendung ist für die Tiere ein Partner“, sagt die engagierte Biologin. Deshalb gibt es hier die Tiere fast nur im Duo. Es ist, entlegen im Nürnberger Land, eine Art Arche Noah, die die
45-Jährige betreibt. Völlig selbstlos arbeitet sie beinahe rund um die Uhr für die Tiere. Ausgesetzte Schildkröten, Hühner mit nur einem Auge, ein Schaf, das geschächtet werden
sollte, ein Hund aus einer Vergasungsstation - die Liste an gequälten, ausgesetzten Tieren, die auf dem Eichig-Hof gehalten und gepflegt werden, ist lang. Die zwei Haflinger auf
der Weide, sagt die Tierschützerin und Vegetarierin, sollten wegen eines Schönheitsfehlers zu Salami gemacht werden. Der dreibeinige Hund, der im Haus verängstigt auf dem Sofa sitzt, ist misshandelt und schließlich an der Autobahn ausgesetzt worden. Und Papagei „Jakob“ - einer von vielen Exoten in einer riesigen Voliere — wurde einst im dunklen Schlafzimmer-Schrank gehalten, weil er endlich mit dem Gekrächze aufhören sollte. Michaela Schörg-Oppowa hat sich mit dem Tier-Hof ihren Lebenstraum verwirklicht. Zehn Jahre lang war die Biologin im Nürnberger Tiergarten beschäftigt. Dann baute sie 2001 den Gnadenhof. Zusammen mit ihrem Mann Steffen (35) und Helfer Willi Stillhammer (67), ebenfalls
ein ehemaliger Tierpfleger aus Nürnberg, tun sie alles für die Tiere. Mit einem Versandhandel für Tierfutter und -medikamente decke sie die laufenden Kosten, sagt Schörg-Oppowa. Außerdem lebt das Paar bescheiden: Kein Urlaub, kein Restaurantbesuch, kein großer Einkauf. Ihr erstes Gehalt hatte Schörg-Oppowa für die Operation einer längst totgesagten
Katze ausgegeben. Katze „Suse“ hat alles bestens überstanden, wie man heute sieht. Sie maunzt munter vor der Haustür. Ehepaar Schörg-Oppowa ist mit ihrem Tier-Domizil mehr als glücklich, „ich bin angekommen, voller Zufriedenheit“, sagt die 45-Jährige. Dabei liegt ihr großer Wirbel um ihr Engagement fern, obwohl sie mittlerweile so etwas wie eine Auffangstation für gestrandete Tiere auf eigene Kosten betreibt.

Vater legte Grundstock

Den Grundstock dafür hatte noch ihr Vater gelegt: Er hatte vor seinem Tod Baugrund und einen großen Hof ermöglicht, „für Tiere, die sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens befinden“. Das einzige, was der positiven Powerfrau schwer fällt, sind schnelle Abschiede. Obwohl viele Tiere, die zu ihr kommen, nur noch kurze Zeit zu leben haben, berührt sie ihr Tod dann doch sehr, sagt Schörg-Oppowa. „Die Tiere vergessen schnell, nehmen ihr Schicksal besser an“, meint sie. „Aber wenn ich nicht wiedergutmachen kann, was sie vorher erlebt haben, ist das bitter.“
Eine Bildergalerie zum Eichig-Hof findet sich auf www.nn-online.de
Die Sendung hundkatzemaus berichtet am Samstag über das Schicksal von Schwan „Max“ um 18 Uhr bei Vox.

Zwei Pechvögel im Glück

Ein Schwanen-Paar findet zueinander—Behinderte Tiere geben sich Halt

Happy End für zwei Pechvögel: Zwei Schwäne — der eine blind, der andere flügellahm — helfen sich gegenseitig durch das Leben. Eine Tierschützerin aus dem Nürnberger Land hat das Traumpaar zusammengebracht.

Molli und franzi vom gnadenhof neunkirchen am sand

NEUNKIRCHENa.Sand — „Hardy“ und „Max“ kennen sich zwar erst seit wenigen Wochen, dennoch sind sie bereits ein eingespieltes Team. Jungschwan „Max“ hilft dem blinden Freund beim Auffinden des Essens, dafür rückt „Hardy“ abends am Schlafplatz ein Stück beiseite. Schwäne, heißt es, binden sich für das ganze Leben. Wer einmal einen Partner gefunden hat, bleibt für immer bei ihm.
Jungschwan „Max“ und der ältere „Hardy“ sind so ein Paar, auch wenn sie vermutlich beide männlich sind. Einzelgänger — wie viele andere ihrer Art — sind sie zumindest nicht. „Die sind sehr gesellig und kommunizieren ständig miteinander“, sagt Tierschützerin Michaela Schörg-Oppowa, die dem Duo ein Dach über dem Kopf, ein Gehege und dazu nette Gesellschaft zwischen vier gehandicapten Gänsen gegeben hat. Während „Max“ mit seinem Kompagnon öfter im Flüsterton schnattert, zeigt sich der auf seine Weise dankbar: Der sanftmütige Schwan hat „Max“ den Vortritt in derRangfolge gelassen.

Hochwasser spuckte Vogel aus

Beide eint ihr Schicksal: „Hardy“ ist blind, seit ein Fuchs oder Hund ihm das Augenlicht zerstört hat. Und „Max“ kann aufgrund einer Wachstumsstörung nicht fliegen — die Tiere hätten mit ihrer Behinderung in freier Wildbahn den Winter nie überlebt. Während „Max“ an einem Weiher in Langenzenn (Kreis Fürth) mit hängenden Kippflügeln saß, unfähig fortzufliegen, schwamm „Hardy“ orientierungslos auf der Altmühl herum. Das verheerende Hochwasser hatte den blinden Pechvogel im Januar nach Eichstätt gespült. Dort hielt er sich
monatelang in der Nähe eines Wehrs auf und war auf Brot, Klee und Spätzle von Spaziergängern und Tierfreunden angewiesen. Als er jedoch von Tag zu Tag magerer wurde, sollte ein Schuss seinem Leben ein Ende setzen. Doch dann überschlug sich „Hardys“ Schicksal, ausgelöst durch einen Artikel über Schwan „Max“ in unserer Zeitung. Ins Auto gepackt, brachten Tierfreunde „Hardy“ auf den Gnadenhof von Michaela Schörg-Oppowa. Die 45-jährige Biologin, die privat einen Hof für gestrandete Tiere in Neunkirchen am Sand unterhält, legt auf ihrer „Arche Noah“ auch viel Wert auf die richtige „Partnerwahl“. Ihre Tiere hält sie am liebsten als Duo, jeder soll ein Gegenüber haben, ob ihre Schafe, Haflinger oder Gänse.
„Ein Tier als Partner kann kein Mensch ersetzen“, sagt die treusorgende Tierschützerin. Wenn der Winter vorbei ist, können sich „Max“ und „Hardy“ noch einmal tierisch freuen: Das Paar und ihre gefiederten Freunde sollen an einen Weiher auf dem Hofgelände umziehen. Im neuen, größeren Refugium, sagt Schörg-Oppowa, werden beide noch besser aufeinander achtgeben müssen. JOHANNA SÄUBERLICH

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